»Ich muss meine Facebook-Reichweite erhöhen!« Dieses Problem, das nicht nur Laien, sondern auch Social-Media-Profis umtreibt, ist einfach erklärt: Facebook ist börsennotiert, die Aktionäre wollen Dividende sehen. Die gibt es aber nur, wenn Seitenbetreiber Anzeigen schalten und Facebook dafür Geld geben. Pay to play – wer Anzeigen schaltet, bekommt Reichweite.

Selbstverständlich gibt es nach wie vor Möglichkeiten, die organische Reichweite einer Facebook-Seite zu erhöhen.

Definition: Was ist Reichweite bei Facebook?

Um zu verstehen, was sich hinter dem Begriff Reichweite verbirgt, hilft ein Blick in die Facebook-Hilfe. Dort steht (Stand: Dezember 2015):

Die Beitragsreichweite gibt die Anzahl der Nutzer an, die deinen Beitrag gesehen haben. Dein Beitrag wird für einen bestimmten Nutzer als „erreicht“ gewertet, wenn er unter „Neuigkeiten“ angezeigt wird. (Quelle)

Reichweite heißt also nicht, dass jemand Ihren Beitrag gelesen hat, sondern gibt lediglich an, dass der Beitrag zu irgendeinem Zeitpunkt auf dem Bildschirm des Nutzers angezeigt worden ist – egal, ob der Nutzer den Beitrag intensiv studiert hat oder einfach darüber hinweg gescrollt ist. Es handelt sich also lediglich um ein Potenzial an Empfängern, nicht um die tatsächliche Anzahl von Empfängern.

Nun weiß man aber: Je mehr Leute meine Botschaft potenziell sehen können, desto mehr sehen sie auch tatsächlich.

Facebook-Reichweite erhöhen durch Fan-Aktivierung

Der Schlüssel zu einer hohen organischen Reichweite ist der Aktivitätsgrad Ihrer Fans. Das heißt: Je mehr Ihre Fans mit Ihrer Seite interagieren – »Gefällt mir« klicken, Ihre Beiträge kommentieren oder Teilen, aber auch zum Beispiel auf Links klicken oder bei Ihnen einchecken –, desto eher ist Facebook geneigt, Beiträge an die Fans auszuspielen.

Dabei ist es sehr wichtig, dass die Fans nicht nur »Gefällt mir« klicken – wesentlich wichtiger sind Kommentare und das Teilen von Beiträgen durch Ihre Fans. Die genauen Einflüsse dieser Interaktionen auf die Reichweite hält Facebook geheim, ich habe aber den Eindruck, dass ein Kommentar dreimal so viel »wert« ist wie ein »Gefällt mir« und ein Teilen mindestens doppelt so viel wie ein Kommentar.

Daher ist es wichtig, dass Ihre Fans mit Ihrer Seite interagieren. Das geht zum Beispiel, indem Sie Ihren Fans Fragen stellen, wie das hier mein Kunde FEYDOM Deutschland macht:

(Update: Sollten Sie an dieser Stelle eine Facebook-Fehlermeldung sehen, klicken Sie hier, um den Beitrag direkt auf Facebook zu besuchen. Aus irgendeinem Grund wird speziell dieser Beitrag auf manchen Geräten fälschlicherweise nicht angezeigt.)

Oder wie ich selber das auch ab und zu mache:

Kurze Umfrage: Habt Ihr eigentlich schon alle Weihnachtsgeschenke?

Posted by geropflueger on Montag, 14. Dezember 2015

Eine spezielle Form der Fragestellung liegt vor, wenn Sie Ihre Fans vor Entscheidungen stellen. Sehr schön löst das zum Beispiel das Social-Media-Team des »Star Wars«-Imperiums (haha, Imperium!):

Schon #DasErwachenDerMacht gesehen? Welcher Seite der Macht schließt du dich an?

Posted by Star Wars on Donnerstag, 24. Dezember 2015

Auch gut ist das Aufgreifen aktueller Bezüge, wie das die Firma Bento zu Weihnachten 2015 gemacht hat:

Für die schönen Stunden mit der Familie

Posted by bento on Mittwoch, 23. Dezember 2015

Erfahrungsgemäß funktionieren auch Beiträge gut, die Personen aus dem Unternehmen zeigen, so wie hier bei unserem Kunden Bodystreet Hannover am Pferdeturm, der mit diesem Beitrag das Zehnfache seiner Fanzahl an Reichweite erzielen konnte (bekannt als virale Reichweite), ohne einen einzigen Cent dafür auszugeben:

Wenn Ihr zu uns kommt, dann trefft Ihr garantiert auf Sonia. Wenn ihre Familie und die beiden Chihuahuas sie lassen,…

Posted by Bodystreet Hannover am Pferdeturm on Montag, 23. November 2015

Natürlich funktionieren auch Kombinationen hervorragend, etwa wenn Sie Personen zeigen und eine Frage dazu stellen:

Flutschfinger-Selfie mit den Bürokollegen von Miller & Spielmann und TMR Text + News-Service. Ist für Euch bald Wochenende?

Posted by geropflueger on Freitag, 12. Juni 2015

Facebook-Reichweite erhöhen durch Trial and Error

Wenn Sie attraktive Beiträge gepostet haben, müssen Sie noch überprüfen, ob diese auch tatsächlich attraktiv sind. Denn es ist gut möglich, dass Sie die Beiträge ausgesprochen spannend finden, Ihre Fans das aber nicht die Bohne interessiert. Keine Sorge: Sie wären nicht der Erste, der in diese Falle tappt. Das ist eine Facebook-spezifische Form der Betriebsblindheit.

Die Überprüfung können Sie mit dem Facebook Insights genannten Statistik-Werkzeug Ihrer Seite vornehmen. Ich selbst ziehe andere Tools vor, da die Insights ihre Limitierungen haben.

Im Statistik-Werkzeug finden Sie im Bereich »Beiträge« auf der linken Seite die Postings der letzten Zeit. Um die Beiträge anzuzeigen, müssen Sie vermutlich etwas scrollen. Die Legende weist ganz rechts den Punkt „Gefällt mir“-Angaben, Kommentare und geteilte Inhalte auf. Stellen Sie hier auf Interaktionsrate um. Anschließend klicken Sie auf den Punkt Reichweite, um die Tabelle nach der höchsten Reichweite zu sortieren. Der Spaltentitel ist dann blau unterlegt. (Ein erneuter Klick auf die Reichweite zeigt Ihnen übrigens die Beiträge mit der geringsten Reichweite.) Heraus kommt so etwas wie hier:

Facebook-Reichweite erhöhen durch die Analyse von Facebook Insights

Facebook Insights: Beiträge nach Reichweite sortiert und mit angezeigter Interaktionsrate

Beiträge, die trotz geringer Interaktionsrate eine hohe Reichweite hatten, waren aus irgendeinem Grunde sehr gut. Bemühen Sie sich darum, diese Art Beitrag häufiger zu bringen. Aber sorgen Sie dann dafür, dass die Interaktion der Fans steigt, etwa indem Sie in den Kommentaren aktiv sind und auftauchende Fragen beantworten, Lösungshinweise geben oder sich einfach konstruktiv am Gespräch beteiligen. Beiträge, die sowohl eine hohe Interaktionsrate als auch eine hohe Reichweite hatten, sind nämlich zu bevorzugen: Je höher die Interaktion ist, je mehr Leute sich beteiligen, desto länger werden Artikel von Facebook ausgespielt – und desto größer ist die Chance auf eine noch größere Reichweite.

Brauche ich viele Fans für hohe Interaktionsraten?

Das Gegenteil ist der Fall. Je größer eine Seite wird, desto schleppender sind typischerweise die Interaktionen. Nehmen wir als Beispiel mal Coca-Cola. Coca-Cola hatte im Dezember 2015 knappe 96 Millionen Fans weltweit. Klar: Viele Leute mögen das sprudelnde Zuckerwasser. Ein »Like« ist also schnell gesetzt, weil viele das »Gefällt mir« von Facebook mit dem »schmeckt mir« des echten Lebens verwechseln. Mittelständische Unternehmen haben es hier einfacher: Fans sind häufig auch Kunden oder Lieferanten, eine Interaktion ist sehr viel enger an das Unternehmen und seine Leistungen gekoppelt. Oft ist auch der Kontakt persönlicher.

Dennoch benötigen Sie eine gewisse Zahl von Fans, damit überhaupt erst einmal Interaktion entstehen kann. Denn wie überall im Internet, so gilt auch bei Facebook die 1-Prozent-Regel. Diese Faustregel besagt, dass 90 Prozent aller Internet-User nur stumm konsumieren (Lurker), 9 Prozent kommentieren (Contributor) und nur 1 Prozent aktiv neue Inhalte schafft (Creator).

1-Prozent-Regel, Tortendiagramm

»1percentrule« von Life of Riley – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons (Quelle)

Sie gehören als Seitenbetreiber zu dem einen Prozent, das neue Beiträge schafft, sind also ein Creator. Für Aktivität auf der Seite brauchen Sie die neun anderen Prozent der Contributor, gerne auch weitere Creators. Wenn Sie also 100 Fans auf Ihrer Seite haben, dann sind von diesen 100 Fans etwa zehn geneigt, irgendwann mal mit Ihrer Seite zu interagieren. Aber die sind ja nicht permanent online. Und wenn doch, dann ist Ihr Beitrag vielleicht nicht interessant genug. Ihre Beiträge verschwinden daher oft schnell im digitalen Nirvana. Haben Sie 1.000 Fans, sind potenziell 100 interagierende Fans da – schon besser, aber auch von denen ist nur ein Bruchteil zu dem Zeitpunkt online, wenn Sie Ihren Beitrag posten. Und auch von denen interessiert sich nicht jeder für Ihren speziellen Beitrag.

Besonders wenn Sie mit Facebook anfangen, ist es extrem wichtig, Ihre Fans zu umsorgen und zu hätscheln. Kümmern Sie sich um jeden Kommentator persönlich. Bedanken Sie sich für Kommentare und antworten Sie natürlich auch darauf. Dann fühlt sich Ihr Fan ernst genommen und er kommentiert gerne wieder. Ja: Das bedeutet Aufwand. Das ist Arbeit. Wenn Sie wissen möchten, wie hoch dieser Aufwand für Ihren Auftritt in sozialen Netzwerken sein kann, dann erfahren Sie in diesem Beitrag mehr.

Doch zurück zur Ausgangsfrage: Sie benötigen nicht eine gigantische Fan-Zahl. Und noch ein ganz wichtiger Hinweis: Kaufen Sie keine Facebook-Fans! Warum? Das erfahren Sie hier.

Wenn die Fan-Zahl aber nur eine untergeordnete Rolle spielt, wonach sollten Sie dann den Erfolg Ihrer Seite bemessen? Der bekannte Facebook-Experte Thomas Hutter gibt in diesem Artikel dazu tiefgreifende Einblicke, auf welche KPI (Key Performance Indicators = Schlüsselkennzahlen) Sie Wert legen sollten.

Was noch?

Es ist ungemein wichtig, die Facebook-Reichweite erhöhen zu können, damit Sie möglichst viele Leser potenziell erreichen. Und dazu müssen Sie vor allem eines machen: sich intensiv mit Facebook beschäftigen. Täglich. Denn ständig ändert Facebook die Regeln seines Facebook Newsfeed Algorithmus, der darüber entscheidet, was Sie und Ihre Fans in der Facebook-Chronik sehen. Das einzige, was bei Facebook konstant ist, sind die permanenten Änderungen. Falls Sie Unterstützung bei der Erhöhung Ihrer Reichweite benötigen, sind wir für Sie da – denn unser Job ist es, permanent auf dem Laufenden zu sein.

Nach über 15 Jahren im Grafikdesign, davon allein acht in verschiedenen Führungspositionen bei einem international tätigen Finanzvertrieb, machte sich Gero Pflüger im Januar 2007 mit der Netzwerk-Agentur »pflüger : kreativ ackern.« in Hannover selbstständig. Heute betreut er vornehmlich mittelständische Unternehmen im Bereich Content Marketing und Social Media.