Haben Sie bei XING schon einmal eine fantasielos zusammengetrümmerte Einladung in die Kontaktliste eines anderen bekommen? Oder noch schlimmer: einfach eine Einladung vollkommen ohne Text? Ich erhalte wöchentlich 20, 30 Stück davon und ärgere mich über diesen Kontakte-Spam. Dabei ist es so einfach, Personen richtig einzuladen.

Ich selbst habe aktuell (Stand Oktober 2018) über 900 XING-Kontakte. Die teilen sich in vier Kategorien:

  • ich kenne die jeweilige Person persönlich
  • ich habe in der Vergangenheit mit ihr gearbeitet
  • ich arbeite jetzt mit ihr
  • der Kontakt erscheint mir aus irgend einem Grund interessant.

Niemals akzeptiere ich eine Kontaktanfrage, die nicht in eine dieser vier Kategorien passt. Geschätzt 80 Prozent aller Kontaktanfragen lehne ich daher ab (das gilt übrigens auch für mein persönliches Profil bei Facebook – dort kann man allerdings meine öffentlichen Äußerungen abonnieren). Dabei wäre es so einfach, mich und weitere High-Profile-XING-Nutzer als Kontakt hinzuzufügen, wenn alle der folgenden Aspekte Beachtung finden würden.

Eine typische Kontaktanfrage aus den letzten Tagen lautete zum Beispiel so:

Sehr geehrter Herr Pflüger, gerne würde ich Sie zu meinem Netzwerk hinzufügen, vielleicht ergeben sich gemeinsame Kooperationsmöglichkeiten oder Ideen! Mit freundlichen Grüßen […]

Eine andere ging so:

Hallo und guten Tag, wir sind im 2. Grade miteinander vernetzt. Gerne möchte ich Sie auch als Direktkontakt in mein berufliches Netzwerk auf XING einladen. Ich freue mich schon auf einen gelegentlichen Ideen und Erfahrungsaustausch!

Sehr »schön« auch diese:

Ihr Profil ist mir eben gerade positiv aufgefallen. Ich würde mich sehr freuen mich auf XING mit Ihnen zu vernetzen. Ich bin sehr gespannt auf Sie und freue mich auf ein fruchtbares Netzwerken für uns beide.

Besonders dreist von diesem Herrn: Obwohl er behauptet, dass ihm mein Profil »eben gerade« positiv aufgefallen sei, hat er sich nicht die Mühe gegeben, es sich überhaupt anzuschauen (was man bei XING ja problemlos sehen kann).

Auch andere haben diese Erfahrung gemacht:

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Abgesehen davon, dass es sich offenbar um eine personalisierte Massen-Kontaktanfrage handelt, dessen Verfasser vom AIDA-Prinzip noch nie etwas gehört hat, finden sich in diesem einen Satz gleich vier No-gos für eine Kontaktanfrage.

1. Streichen Sie den Begriff »Netzwerk« aus Ihren Kontaktanfragen!

Der Anfragende fügt den Angefragten nicht seinem Netzwerk hinzu, sondern allenfalls seiner Kontaktliste – bitte nicht verwechseln! Zu einem echten Netzwerk gehört wirklich wesentlich mehr, als bei XING in den Kontakten des anderen zu stehen. Zum Beispiel, dass man sich möglichst persönlich kennt, häufig miteinander arbeitet oder kommuniziert, ein regelmäßiges gegenseitiges Empfehlen und permanentes Auf-den-Vorteil-des-anderen-bedacht-Sein. Netzwerkzugehörigkeit ist verdient, nicht geschenkt!

Wenn der Anfragende dann noch den Begriff »treten Sie meinem Netzwerk bei« verwendet, ist wirklich Hopfen und Malz verloren. Ein Netzwerk kann ein sehr exklusiver Zirkel sein. Wenn es das aber ist, wird ganz sicher keine profane XING-EInladung verschickt. Das sollten auch digitale Kommunikationsberater wissen:

Ein Partner für digitale Kommunikation, der seine Kunden im Social Web erfolgreich machen will, schreibt nicht solche Kontaktanfragen auf XING oder LinkedIn.

Ein Partner für digitale Kommunikation, der seine Kunden im Social Web erfolgreich machen will, schreibt nicht solche Kontaktanfragen auf XING oder LinkedIn.

2. Tilgen Sie das Wort »vielleicht« aus XING!

Ich kann keinen Grund entdecken, jemanden wegen vielleicht oder möglicherweise mal irgendwann eintreffender Dinge zu meinen Kontakten hinzuzufügen. Täte ich das, hätte ich mittlerweile zwar Tausende Kontakte, aber gleichzeitig den Wert meiner Kontaktliste mit jedem neuen »vielleicht«-Kontakt verringert. Ich lehne sehr häufig und in aller Regel ohne Begründung Kontaktanfragen ab, und das machen sehr viele High-Profile-XING-Nutzer so. Schluss also mit dem vagen Herumgeeier!

3. Nennen Sie keine profanen Allerweltsgründe in XING-Kontaktanfragen!

Wie sollen diese »gemeinsamen Kooperationsmöglichkeiten und Ideen« genau aussehen? Was soll das überhaupt sein? Besonders, wenn die »Möglichkeiten« mit »vielleicht« gekoppelt werden, reduziert sich die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens gegen Null, was jeder erfolgreiche XING-Nutzer weiß. Nennen Sie Ross und Reiter – sonst werden Sie nicht die Kontakte erhalten, die Sie haben wollen!

4. Verzichten Sie auf eine egozentrische Sichtweise

Das vom Anfragenden höflich formulierte »Gerne würde ich Sie meinen Kontakten hinzufügen« heißt beim Angefragten übersetzt: »Da will mich jemand in seine Kontakte aufnehmen! Das ist aber gütig von ihm!« – Wir haben es hier mit einer völlig verkorksten Sichtweise auf die Sachlage zu tun: In dieser Kontaktanfrage wird dem Angefragten nicht gesagt, warum er für den Anfragenden interessant ist, sondern implizit behauptet, dass der Anfragende für den Angefragten interessant sei. Das funktioniert nicht! Verraten Sie also dem Angefragten immer, warum Sie ihn in Ihrer Kontaktliste haben wollen! Am besten gibt es – das ist der Netzwerkgedanke – einen nachvollziehbaren, beiderseitigen geschäftlichen Vorteil.

XING ist ein Business-Netzwerk. Hier will man Geschäfte einfädeln. Mir gelingt das dort recht gut, wie in diesem Artikel beschrieben wird. Und zwar deshalb, weil mich bei XING einfach kein »vielleicht« und keine »Möglichkeiten« interessieren. Es interessiert mich lediglich ein »was«, ein »wann« und ein »wie«. (Auf XING und auch auf LinkedIn münden meine Gespräche häufig in einem firmeninternen Workshop oder einfach bei einem telefonischen Beratungsgespräch. Die beiden Plattformen funktionieren sehr gut für Akquise-Tätigkeiten.)

Würde ich dem Anfragenden antworten, schlüge ich ihm vor, dass ich ihm ab der KW30 in einem Workshop beibringe, wie er sich auf XING besser präsentiert und seine Conversion verbessern kann. Das wäre allerdings keine krude Kooperationsmöglichkeit, sondern ein ganz normales Geschäft, denn ich schule Unternehmer regelmäßig darin, mit Social Media im Business erfolgreicher zu werden. So ein Workshop wäre dann übrigens gelegentlich auch der Start für ein wirkliches Netzwerken, denn bei solchen Gelegenheiten lernt man sich deutlich besser kennen als bloß per XING.

Ich bin übrigens nicht der Einzige, der sich von schlechten Kontaktanfragen genervt fühlt. Meine Kollegin Stefanie Norden von B2N Social Media Services schrieb mir:

Es fehlt noch der Klassiker der Begründungen: »Kontakte schaden nur dem, der keine hat!« … Bei mir hat sich die Anzahl unerwünschter Kontaktanfragen deutlich reduziert, nachdem ich aus dem »Suche«-Feld das Wort Vernetzung gestrichen habe. Seitdem wollen mich eigentlich nur noch Leute adden, die mich auch kennen und die mich nicht einfach nur über die Suchfunktion nach »Sucht Vernetzung« gefunden haben.

Und eine Bemerkung noch zum Schluss: Was für XING gilt, gilt ebenso für LinkedIn.


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Update vom 9. Mai 2016:
Auf Twitter wurde ich darauf hingewiesen, dass ein Basismitglied keine Textbotschaften mehr hinzuzufügen kann.

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Definitiv ein wichtiger Grund, die mit 100 Euro netto für zwei ganze Jahre ziemlich günstige Premium-Mitgliedschaft zu erwerben.

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