Haben Sie schon einmal in den professionellen Social-Media-Netzwerken XING oder LinkedIn eine fantasielos zusammengetrümmerte Einladung erhalten, Kontakt eines anderen zu werden? Oder noch schlimmer: einfach eine Einladung vollkommen ohne Text? Kann man das überhaupt Einladung nennen? Ich erhalte wöchentlich 20, 30 Stück davon und ärgere mich über diesen Kontakte-Spam. Dabei ist es so einfach, Personen richtig einzuladen.

Aktuell (Stand September 2019) habe ich etwas über 1.000 XING-Kontakte. Bei LinkedIn sind es einige Dutzend mehr. (Große Teile sind übrigens deckungsgleich, und jedes Jahr an meinem Geburtstag kann ich messen, in welchem Netzwerk meine Kontakte aktiver sind.) Meine Kontakte teilen sich in vier Kategorien:

  • ich kenne die jeweilige Person persönlich,
  • ich habe in der Vergangenheit mit ihr gearbeitet,
  • ich arbeite jetzt mit ihr,
  • der Kontakt erscheint mir aus irgendeinem Grund interessant.

Niemals akzeptiere ich eine Kontaktanfrage, die nicht in eine dieser vier Kategorien passt. Und niemals akzeptiere ich Kontaktanfragen ohne zugehörige Nachricht. Daher lehne ich geschätzt 80 Prozent aller Kontaktanfragen ab. Dabei wäre es so einfach, mich und weitere High-Profile-Nutzer der Business-Netzwerke als Kontakt hinzuzufügen. Derjenige, der den Kontakt haben möchte, müsste nur  einige wenige grundsätzliche Dinge bei seiner Kontaktanfrage berücksichtigen. Und das machen leider die wenigsten.

Eine typische Kontaktanfrage aus den letzten Tagen lautete zum Beispiel so:

Sehr geehrter Herr Pflüger, gerne würde ich Sie zu meinem Netzwerk hinzufügen, vielleicht ergeben sich gemeinsame Kooperationsmöglichkeiten oder Ideen! Mit freundlichen Grüßen […]

Eine andere ging so:

Hallo und guten Tag, wir sind im 2. Grade miteinander vernetzt. Gerne möchte ich Sie auch als Direktkontakt in mein berufliches Netzwerk auf XING einladen. Ich freue mich schon auf einen gelegentlichen Ideen und Erfahrungsaustausch!

Sehr »schön« auch diese:

Ihr Profil ist mir eben gerade positiv aufgefallen. Ich würde mich sehr freuen mich auf XING mit Ihnen zu vernetzen. Ich bin sehr gespannt auf Sie und freue mich auf ein fruchtbares Netzwerken für uns beide.

Besonders dreist von diesem Herrn: Obwohl er behauptet, dass ihm mein Profil »eben gerade« positiv aufgefallen sei, hat er sich nicht die Mühe gegeben, es sich überhaupt anzuschauen (was man bei XING ja problemlos sehen kann). Auch andere haben diese Erfahrung gemacht:

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Abgesehen davon, dass es sich offenbar um eine personalisierte Massen-Kontaktanfrage handelt, dessen Verfasser vom AIDA-Prinzip noch nie etwas gehört hat, finden sich in diesem einen Satz gleich vier No-gos für eine Kontaktanfrage.

1. Streichen Sie den Begriff »Netzwerk« aus Ihren Kontaktanfragen!

Der Anfragende fügt den Angefragten nicht seinem Netzwerk hinzu, sondern allenfalls seiner Kontaktliste – bitte nicht verwechseln! Zu einem echten Netzwerk gehört wirklich wesentlich mehr, als bei den Business-Networks in den Kontakten des anderen zu stehen. Zum Beispiel, dass man sich möglichst persönlich kennt, häufig miteinander arbeitet oder kommuniziert, ein regelmäßiges gegenseitiges Empfehlen und permanentes Auf-den-Vorteil-des-anderen-bedacht-Sein. Netzwerkzugehörigkeit ist verdient, nicht geschenkt! Wenn der Anfragende dann noch den Begriff »treten Sie meinem Netzwerk bei« verwendet, ist wirklich Hopfen und Malz verloren. Ein Netzwerk kann ein sehr exklusiver Zirkel sein. Wenn es das aber ist, wird ganz sicher keine profane Einladung auf XING oder LinkedIn verschickt. Das sollten auch digitale Kommunikationsberater wissen:

Ein Partner für digitale Kommunikation, der seine Kunden im Social Web erfolgreich machen will, schreibt nicht solche Kontaktanfragen auf XING oder LinkedIn.
Ein Partner für digitale Kommunikation, der seine Kunden im Social Web erfolgreich machen will, schreibt nicht solche Kontaktanfragen auf XING oder LinkedIn.

2. Tilgen Sie das Wort »vielleicht« aus XING und LinkedIn!

Ich kann keinen Grund entdecken, jemanden wegen vielleicht oder möglicherweise mal irgendwann eintreffender Ereignisse zu meinen Kontakten hinzuzufügen. Täte ich das, hätte ich mittlerweile zwar Tausende Kontakte, aber gleichzeitig den Wert meiner Kontaktliste mit jedem neuen »vielleicht«-Kontakt verringert. Ich lehne sehr häufig und in aller Regel ohne Begründung Kontaktanfragen ab, und das machen sehr viele High-Profile-Nutzer von XING und LinkedIn so. Schluss also mit dem vagen Herumgeeier! Werden Sie konkret!

3. Nennen Sie keine profanen Allerweltsgründe in Kontaktanfragen!

Wie sollen diese »gemeinsamen Kooperationsmöglichkeiten und Ideen« genau aussehen? Was soll das überhaupt sein? Besonders, wenn die »Möglichkeiten« mit »vielleicht« gekoppelt werden, reduziert sich die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens gegen Null, was jeder erfolgreiche XING- und LinkedIn-Nutzer weiß. Nennen Sie Ross und Reiter – sonst werden Sie nicht die Kontakte erhalten, die Sie haben wollen! Bleiben Sie außerdem nicht im Ungefähren, wie das etwa die Anfragenden in diesen Beispielen gemacht haben:

Weshalb genau findet dieser Mensch denn mein Profil interessant? Weshalb sollte ich mich mit ihm verXINGen wollen?

Was genau will der von mir…?

4. Verzichten Sie auf eine egozentrische Sichtweise!

Das vom Anfragenden höflich formulierte »Gerne würde ich Sie meinen Kontakten hinzufügen« heißt beim Angefragten übersetzt: »Da will mich jemand in seine Kontakte aufnehmen! Das ist aber gütig von ihm!« – Wir haben es hier mit einer völlig verkorksten Sichtweise auf die Sachlage zu tun: In dieser Kontaktanfrage wird dem Angefragten nicht gesagt, warum er für den Anfragenden interessant ist, sondern implizit behauptet, dass der Anfragende für den Angefragten interessant sei. Das funktioniert nicht! Verraten Sie also dem Angefragten immer, warum Sie ihn in Ihrer Kontaktliste haben wollen!

Bei einem »Storytelling-Experten« sollte ich eigentlich mehr erwarten können als so eine Platitüde. Oder?

Am besten gibt es – das ist der Netzwerkgedanke – einen nachvollziehbaren, beiderseitigen geschäftlichen Vorteil. XING und LinkedIn sind Business-Netzwerke. Hier will man Geschäfte einfädeln. Mir gelingt das dort recht gut, wie ich in diesem Artikel beschreibe. Und zwar deshalb, weil mich bei XING und LinkedIn einfach kein »vielleicht« und keine »Möglichkeiten« interessieren. Es interessiert mich lediglich ein »was«, ein »wann« und ein »wie«. (Häufig münden meine Gespräche auf den Plattformen in einem firmeninternen Workshop oder einfach bei einem telefonischen Beratungsgespräch. Die beiden Plattformen funktionieren sehr gut für Akquise-Tätigkeiten.)

Würde ich dem Anfragenden antworten, schlüge ich ihm vor, dass ich ihm ab der KW30 in einem Workshop beibringe, wie er sich auf XING und LinkedIn besser präsentiert und seine Conversion verbessern kann. Das wäre allerdings keine krude Kooperationsmöglichkeit, sondern ein ganz normales Geschäft, denn ich schule Unternehmer regelmäßig darin, mit Social Media erfolgreicher zu werden. So ein Workshop wäre dann übrigens gelegentlich auch der Start für ein wirkliches Netzwerken, denn bei solchen Gelegenheiten lernt man sich deutlich besser kennen als bloß per digitalem Kontakt. Ich bin übrigens nicht der Einzige, der sich von schlechten Kontaktanfragen genervt fühlt. Meine Kollegin Stefanie Norden von B2N Social Media Services schrieb mir:


Sie erhalten darin regelmäßige Updates aus dem Bereich Social Media und Content Marketing sowie gelegentlich Angebote unserer Leistungen – für mehr Erfolg im Social Web!


Sie erhalten eine E-Mail mit einem Link, den Sie zur Bestätigung klicken müssen (gesetzlich vorgeschriebenes Double-Opt-in-Verfahren). Bitte checken Sie Ihren E-Mail-Eingang und eventuell auch Ihren Spam-Ordner. In der Datenschutzerklärung finden Sie unter Punkt 7 alle Informationen nach Art. 13 DSGVO. Wir bitten um Beachtung!

Es fehlt noch der Klassiker der Begründungen: »Kontakte schaden nur dem, der keine hat!« … Bei mir hat sich die Anzahl unerwünschter Kontaktanfragen deutlich reduziert, nachdem ich aus dem »Suche«-Feld das Wort

Vernetzung

gestrichen habe. Seitdem wollen mich eigentlich nur noch Leute adden, die mich auch kennen und die mich nicht einfach nur über die Suchfunktion nach »Sucht Vernetzung« gefunden haben.

Wofür ich übrigens absolut kein Verständnis habe: kostenlose und damit funktional eingeschränkte Basis-Mitgliedschaften. Warum nicht? Ganz einfach: Basismitglieder können auf XING zum Beispiel einer Kontaktanftrage keine Textbotschaften hinzuzufügen. Definitiv ein wichtiger Grund, die mit etwa 100 Euro netto für zwei ganze Jahre ziemlich günstige Premium-Mitgliedschaft zu erwerben (rund 4 Euro pro Monat).

Die Premium-Versionen von LinkedIn sind deutlich teurer als XING Premium und haben zudem ein ziemlich unübersichtliches Preismodell

Dennoch: Sie wollen einen geschäftlichen Vorteil durch die Nutzung von XING und LinkedIn erzielen, oder Sie möchten Ihre Karriere voranbringen. Dann sollten Sie Willens sein, ein paar Euro pro Monat zu investieren. Und nur dann können Sie bessere Kontaktanfragen schreiben.


Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Juli 2014 und wurde seither 3 x überarbeitet.


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