Vor einiger Zeit führte ich ein interessantes Gespräch mit einem Unternehmer aus der Lebensmittelbranche. Sein Betrieb ist nicht besonders groß und er hat Probleme, die nötigen Ressourcen für seine Social-Media-Arbeit freizugeben – personell wie finanziell. Darum meinte er: »Social Media, das kann doch auch der Azubi oder der Praktikant machen.«

Nachdem ich mir innerlich die Haare gerauft und in die Tischkante gebissen hatte, fragte ich den Unternehmer, ob er den Azubi (übrigens Fachrichtung Groß- und Außenhandelskaufmann im ersten Ausbildungsjahr) oder den Praktikanten ohne fachliche Anleitung den neuen Webshop seines Unternehmens konzipieren, entwickeln und umsetzen lassen würde. »Natürlich nicht«, sagte der Unternehmer. »Darin hat er ja keine Expertise.« – »Und glauben Sie«, antwortete ich, »dass es weniger Expertise erfordert, einen Social-Media-Auftritt zu konzipieren, zu entwickeln und umzusetzen?«

»Der Praktikant ist so jung wie die anderen auf Facebook«

Jetzt stellte sich heraus, dass der Unternehmer glaubte, Facebook & Co. seien eh nur für Jugendliche interessant und darum gar nicht so wichtig. Aber das stimmt nicht, wie man am Beispiel von Facebook erkennen kann:

Altersgruppen nach Geschlecht auf Facebook – ab Mitte 20 ist man hoffentlich kein Praktikant mehr. Quelle: Facebook Audience Insights für Deutschland, abgerufen am 19. Oktober 2014

Altersgruppen nach Geschlecht auf Facebook – ab Mitte 20 ist man hoffentlich kein Praktikant mehr. Quelle: Facebook Audience Insights für Deutschland, abgerufen am 19. Oktober 2014

Wenn Sie bisher dachten, dass Sie Social Media gut und gern an die preiswerten Arbeitskräfte delegieren können – Sie sind nicht allein. Immer wieder höre ich davon, zuletzt bei allfacebook.de.

Bitte unterschätzen Sie nicht, was der Einsatz von Social Media für Ihren Betrieb bedeutet: Es handelt sich um einen immer wichtiger werdenden Marketing-Kanal. Bis zum Ende des Jahrzehnts dürfte es der wichtigste Marketing-Kanal überhaupt geworden sein. Und der muss selbstverständlich ebenso professionell betreut werden wie Ihre klassischen Marketingaktivitäten – zum Beispiel Anzeigen- oder TV-Kampagnen, Radiospots oder Imagebroschüren, Kundenmagazine und Messeauftritte. Erledigt das etwa Ihr Praktikant für Sie oder ist das womöglich doch etwas wichtiger für die Existenz Ihres Unternehmens?

Einen eigenen Facebook-Account zu besitzen, privat zu twittern oder auch ab und zu bei YouTube ein selbst gedrehtes Filmchen hochzuladen – das hat alles ebenso viel mit professioneller Social-Media-Arbeit zu tun wie das Erstellen einer Einladungskarte zum 16. Geburtstag mittels CorelDraw und Tintenstrahldrucker mit der Entwicklung eines Corporate Designs für zehntausende Euro: nämlich gar nichts. Nur also, weil der Praktikant 640 Freunde auf Facebook hat, ist er in aller Regel nicht qualifiziert, Ihr Unternehmen in der Öffentlichkeit darzustellen.


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Natürlich gibt es bestimmt hier und da einen Azubi oder Praktikanten, der dazu in der Lage ist – gar keine Frage. Aber meinen Sie, dass ein Auszubildender oder Praktikant grundsätzlich derart viel Verantwortung für den öffentlichen Auftritt Ihres Unternehmens tragen sollte? Schreiben Sie unten in die Kommentare!

Foto: © dbunn – Fotolia.com

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