Speziell amerikanische Sender sind weit vorne mit der Erkenntnis, dass Social-Media mehr ist als bei Twitter und Facebook die eigene Sendestruktur zu spiegeln. Eigene Beiträge, unabhängige News erzeugen Bindungen, die gerade für junge und sehr junge Seher sehr wichtig sind, da sie sich in traditionellen Umgebungen nicht repräsentiert sehen. Snapchat wird so zum Nachrichtenkanal, während hierzulande schon wieder die Totenglocken zu läuten scheinen.

Snapchat stirbt. Nein. Doch. Nein. Und hier das Warum: Viele US-Sender haben erkannt, dass in Zeiten des Second-Screen viele Shows online und in Social Media eine besondere Reichweite erlangen können. Die Nutzer wünschen sich auf sie zugeschnittene Formate und die Option, über ihre bevorzugte Plattform aktuelle Ereignisse zu verfolgen. Und die sieht, hört und fühlt sich für jede Altersgruppe deutlich anders an. Klar ist auch, dass in Germany die Experimentierfreudigkeit der Medien äußerst bescheiden zurückhaltend ist und gar Personal und Zeit zu investieren, gilt schon als halbes Weltuntergangs-Szenario.

Nach NBC bringt seit Ende August auch CNN eine tägliche Nachrichtenshow auf Snapchat, um die junge Zielgruppe der App mit News zu versorgen. NBC versucht, die aktiven Millennials für ihre Nachrichtenthemen zu gewinnen. Und auch CNN reiht sich in diese Praxis ein. Mit „The Update“ wird eine tägliche Show für Snapchat produziert, die die aktuellsten globalen Themen für die Nutzer aufbereitet. Snapchat-Nutzer von ABC können sich im Showbereich der Stories registrieren. Während also eine Nachrichtenshow für Snapchat produziert wird, gibt es vonseiten CNN bereits eine Talkshow, die lineares TV und Social-Media aktiv verknüpft.

Und Deutschland, was passiert hier mit der einstmals in den Himmel gelobten App? Das Nutzerwachstum ging in letzter Zeit nicht mehr ganz so schnell weiter, wie vielleicht erhofft. Aber 173 Millionen tägliche Nutzer sind 173 Millionen tägliche Nutzer. Und klar hat Instagram, das mit fast deckungsgleichen Funktionalitäten daher kommt, einen strategischen Vorteil. Viele Nutzer haben schon jahrelange Arbeit in ihren Instagram-Account gesteckt und dabei erfolgreich eine Reichweite/Gefolgschaft aufgebaut. Warum sollten sie diese Arbeit zwanghaft für einen weiteren Kanal wiederholen, wenn es doch nicht (umsatzmäßig) drückt?

Viele Unternehmen, Marketer und Influencer bemerkten, dass ihnen die Follower nicht einfach so zuflogen, nur weil sie jetzt bei Snapchat waren, schreibt Jochen Henke auf PR_Blogger. Recht hat er, vielleicht liegt es aber auch schlicht daran, dasshierzulande eben der Nutzwert dieses Dienstes nicht oder nur wenig erkannt wurde und wird. Betrachtet man die öffentlichen Stories auf Snapchat, kam es nach dem ersten Run zu einer gewissen Konsolidierung. Die großen Accounts verschwanden wieder und der harte Kern blieb. Nicht, weil die Person ~zigtausend Zuschauer hat, sondern weil man sich folgt, weil man sich kennt, weil man die Geschichten lustig, informativ, amüsant findet.


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Snapchat hat damit aber eindeutig noch nicht das Potenzial erreicht, das es erreichen könnte, wenn man in den anglo-amerikanischen Bereich schaut. Stirbt also Snapchat? Nein, aber es braucht dringend ein paar Infusionen.

Tom Ruthemann ist ein erfahrener Web- und Werbe-Texter aus Hannover. Er schreibt stets ganz zielgruppengerecht und findet »… immer die richtigen Worte«.
Mit seinem Unternehmen »TMR« Text + News-Service betreut er etliche kleine und mittelständische Unternehmen im digitalen Marketing.