Je mehr Fans und Likes eine Facebook-Seite oder ein Instagram-Profil hat, desto wichtiger scheint das dahinter stehende Unternehmen oder Produkt zu sein. Darum ist es vielen Unternehmen ausgesprochen wichtig, eine große Zahl Fans oder Follower zu besitzen. Doch wer eine Facebook-Seite oder einen Instagram-Account startet, der steht zunächst einmal vor einem großen Problem: Er hat außer sich selbst keinen einzigen Follower. Also: Fans kaufen?

Facebook-Fans kaufen – was spricht dafür?

Für ein paar Handvoll Euros kann man bei entsprechenden Dienstleistern, die sich zuhauf im Internet finden, Tausende Facebook-Fans oder Instagram-Follower, YouTube-Abonnenten und sonstwas kaufen. Googeln Sie einfach mal nach »Fans kaufen« oder »Facebook Likes kaufen«! (Möglicherweise haben Sie diesen Artikel ja sogar genau auf diese Art und Weise gefunden?) Die Verlockung ist für viele Unternehmer groß, für wenig Geld die eigene Fanbasis zu erhöhen.

Abgesehen von der Befriedigung des eigenen Egos steckt auch die Annahme dahinter, dass eine große Zahl Fans weitere Fans anzieht und die Seite so noch attraktiver wird. Sie glauben, dass damit die eigene Reichweite erhöht wird. Sie glauben, so erfolgreicher im Social Web zu werden. (Wie Sie Ihre Reichweite richtig erhöhen, lesen Sie besser hier, und warum Reichweite eigentlich gar nicht so wichtig ist, können Sie hier erfahren.) Doch das stimmt nicht – das genaue Gegenteil ist der Fall, sobald Fans gekauft werden. Warum das so ist? Nun, beginnen wir zunächst mit dem Offensichtlichen, bevor wir diese Frage klären.

Facebook-Likes kaufen – was spricht dagegen?

Aber die billigen Fans haben eine düstere Schattenseite. Gekaufte Likes sind nicht nur ethisch verwerflich und illegal, sondern auch wirtschaftlich nachteilig. Lassen Sie mich das etwas erläutern.

Punkt 1: Die Ethik

Zunächst einmal müssen Sie verstehen, woher diese Fans kommen. Nehmen wir mal einen verhältnismäßig teuren Anbieter, der 50 Euro für 1.000 Fans haben möchte. Jeder Fan ist also 0,05 Euro wert. Davon wird der Anbieter aller Wahrscheinlichkeit nach mindestens 50 Prozent für sich behalten, um seine eigenen Kosten zu decken und steinreich zu werden. Bleiben also im günstigsten Fall 0,025 Euro für den Fan übrig, der auf Ihrer Fanpage »Gefällt mir« klickt. Nicht einmal drei Cent. Besuchen Sie mal eine beliebige Facebook-Seite und klicken Sie dort »Gefällt mir« – zum Beispiel bei meiner, wenn Sie das noch nicht getan haben sollten – und rechnen Sie hoch, wie oft Sie das pro Minute schaffen können. Schlagen Sie ruhig was drauf, um den Übung-macht-den-Meister-Effekt zu berücksichtigen. Multiplizieren Sie Ihren Wert mit 60 und mit 0,025, um Ihren Stundenlohn zu errechnen.

Wenn Sie diesen Vorgang durchschnittlich zehn Mal pro Minute ausführen, dann sind das 600 Likes pro Stunde, woraus sich ein Stundenlohn von 15 Euro ergibt. 50 % mehr als der Mindestlohn – schon nicht schlecht!

Allerdings berücksichtigen Sie bitte, dass Sie bei sehr vielen Anbietern für 50 Euro Zehntausende, nicht nur eintausend, Fans kaufen können. Im Rahmen der Recherchen für mein Buch »Social-Media-Marketing für Dummies«, das Sie im Buchhandel erwerben können, wurde ich auf dieses Beispiel für Instagram-Follower und Instagram-Likes sowie TikTok-Follower aufmerksam:

Screenshot einer Verkaufsseite für Instagram-Follower, Instagram-Likes und TikTok Follower
100.000 Instagram-Follower kosten auf dieser Seite (dauerhaft) rabattierte 229,00 Euro – das sind gerade einmal zwei Cent für zehn Follower bzw. 23 Cent für 100 Follower. Stand: November 2019

Da bietet man mir tatsächlich 100.000 Follower für 229 Euro an. Jeder »Follow«-Klick ist also nur 0,00229 Euro wert. Der Stundenlohn liegt jetzt bei den angenommenen 600 Klicks nur noch bei 1,74 Euro. 1,74 Euro pro Stunde! Wenn Sie das acht Stunden am Stück machen, haben Sie 13,92 Euro verdient. Wenn Sie jeden Tag arbeiten sind das 97,44 Euro Wochenlohn. Wer bitte soll denn von diesem Geld noch leben können? Das geht allenfalls in den ärmsten der armen Dritte-Welt-Ländern – in Bangladesch zum Beispiel und in einigen afrikanischen Ländern. Auch in der pakistanischen Provinz leben Menschen, die davon ihre Familie ernähren.

Sie beuten arme Menschen in fernen Ländern aus, und ich bin sicher, dass Sie das gar nicht wollen. Werden Sie stattdessen doch bitte UNICEF-Pate. Da ist Ihr Geld besser aufgehoben als wenn Sie auf obskuren Seiten Follower für Social-Media-Plattformen wie Instagram, Facebook oder TikTok kaufen.

(Übrigens sind in diesen Klick-Farmen heute in den seltensten Fällen echte Personen am Werk – sondern Bots. Stumpfe, automatisierte Software, die Facebook vorgaukelt, ein Mensch zu sein. Und Facebook, Twitter und Instagram werden immer besser darin, diese Bot-basierten Fake-Profile zu erkennen und zu eliminieren – Sie werfen also bereits mittelfristig Geld für nichts zum Fenster hinaus.)

Punkt 2: Follower kaufen ist illegal

Illegal soll das sein? Oooooh ja. Aus zwei Gründen:

Sämtliche Social-Media-Plattformen verbieten den Kauf von gefälschten Followern und künstlich erzeugten Interaktionen in ihren jeweiligen Nutzungsbedingungen. Sprich: Werden Sie erwischt, werden Sie bestraft. Seit einigen Jahren identifizieren Facebook, Twitter und Instagram Fake-Profile und löschen sie zusammen mit den von ihnen erzeugten Interaktionen. Accounts, bei denen es den Verdacht gibt, dass sie Fake-Follower oder -Interaktionen gekauft haben – zum Beispiel, weil sie bestimmten Apps Zugang zum Account gegeben haben –, werden oft für einige Tage oder Wochen gesperrt oder im Extremfall teilweise ohne Vorwarnung komplett gelöscht. Sie können sich also mit dem Erwerb falscher Follower so richtig schön alles kaputtmachen, was Sie sich mühsam aufgebaut haben.

Und bitte glauben Sie nicht, dass Sie dann Ihren gelöschten Account auf dem Klageweg zurückbekommen können – da wird es dann gleich noch viel schlimmer. Denn Sie haben nicht nur gegen Nutzungsbedingungen verstoßen, sondern auch noch nationales Recht verletzt.

Wenn Sie für Ihr Unternehmen Follower oder Interaktionen kaufen, dann täuschen Sie nämlich einen größeren Erfolg vor als Sie tatsächlich haben. Juristisch betrachtet ist das eine irreführende Werbung. Diese ist als solche unlauter und somit per se unzulässig. So sah es auch das Landgericht Stuttgart bereits im Jahr 2014 (Landgericht Stuttgart Beschluss vom 19.8.2014, Aktenzeichen 37 O 34/14 KfH), das ein Unternehmen zur Unterlassung verurteilt hat. Dieses hatte etwa 14.500 Likes für seinen Facebook-Auftritt gekauft, um so eine Beliebtheit, Größe und Bekanntheit vorzutäuschen, die in Wahrheit gar nicht bestand. In der Folge musste das Unternehmen die Kosten des Verfahrens tragen und schließlich auch noch die 14.500 Fake-Follower manuell von seiner Facebook-Seite entfernen. Genau: manuell. Denn dafür gibt es keinen Automatismus.

Punkt 3: Gefahr der Fake-Accounts

Kommen wir nun weg von den ethischen und juristischen Gründen und gehen auf die rein wirtschaftlichen Aspekte ein, die gekaufte Follower mit sich bringen.

Wenn Sie Fans kaufen, wissen Sie zwangsläufig nicht einmal sicher, ob diejenigen Accounts, die bei Ihnen »Gefällt mir« klicken, echte Personen sind, oder ob die nur zum Zwecke des Klickens angelegt worden sind. Die meisten gekauften Facebook-Fans sind Fake-Accounts, die sich einfach identifizieren lassen – Tausende Seiten und Apps gefallen diesem Profil. In der stets öffentlichen, aber seltsam lieb- und leblosen Chronik finden sich ein Haufen oftmals im Sekundentakt geteilter Beiträge irgendwelcher unzusammenhängender Seiten. Auch fällt auf, dass die gelikten Seiten und Apps thematisch sehr breit gefächert sind – Leute, die sich vielseitig interessieren, haben normalerweise viele Freunde. Das ist bei diesen Profilen jedoch selten der Fall, weil die Inhaber keine Zeit haben bzw. keinen Wert darauf legen, Freundschaftsanfragen zu beantworten. Darum haben diese Seiten oftmals erstaunlich viele Abonnenten bei wenigen Freunden. Kein Wunder – es handelt sich größtenteils um Bot-Seiten. Und Maschinen schließen keine Freundschaften. Bei Instagram ist das ähnlich gelagert. Wie Sie Fake-Profile erkennen, steht hier.

Das Problem: Fake-Accounts bringen Ihnen nichts. Sie interagieren ein oder zwei Mal, indem sie ein bezahltes Like setzen oder einen Beitrag in ihre eigene, unbeachtete Chronik teilen, dann war es das.

Punkt 4: Kosten durch Fake-Accounts

Seit Facebook konsequent die organische Reichweite Ihrer Seite herunterfährt, ist klar, dass die glücklichen Zeiten der Kostenloskultur bei Facebook vorbei sind. Ihre Fans werden organisch so gut wie gar nicht mehr erreicht, Tendenz weiter sinkend. Um Ihre Fans zur Interaktion zu bewegen, müssen Sie also Anzeigen schalten, die nur an Ihre eigenen Facebook-Fans gerichtet sind. Jetzt haben Sie zum Beispiel 10.000 Fans gekauft und besitzen 500 eigene, durch tollen Content und gutes Marketing erworbene Fans, zusammen also 10.500 Fans auf Ihrer Seite. Sieht super aus!

Das Problem: Wenn Sie eine Anzeige für 100 Euro schalten, um zum Beispiel ein Angebot Ihres Unternehmens zu promoten, auf ein Gewinnspiel oder eine Veranstaltung hinzuweisen, zahlen Sie 95,24 Euro an Facebook, ohne einen einzigen echten Interessenten zu erreichen, denn die Anzeige wird natürlich auch an Ihre gekauften Facebook-Fans ausgespielt. Die aber interessieren sich überhaupt nicht für Ihr Angebot, weil sie ohnehin größtenteils nur Maschinen oder aus fernen Ländern sind. Zum Fenster hinausgeschmissenes Geld! Und selbst »deutsche« Fans, die aus Bot-Interaktion entstehen, interessieren sich nicht für Ihr Angebot.

Punkt 5: Statistiken werden unbrauchbar gemacht

Facebook bietet ein tolles Tool für Seitenadministratoren, mit dem alles Mögliche ermittelt und überwacht werden kann. Facebook Insights heißt das Tool, auf deutsch Statistiken. Auch Instagram und Twitter haben eine entsprechende Funktionalität. Doch werden überall die Zahlen komplett anonymisiert – Sie können nicht sehen, welcher User etwas getan hat oder wie sein Profil konkret aussieht, sondern nur Durchschnittswerte ablesen. Facebook Insights dient Seitenadministratoren dazu, den Erfolg ihrer Arbeit zu ermitteln und diese dann immer wieder zu optimieren.

Das Problem: Zur Optimierung Ihrer Facebook-Arbeit gehört zum Beispiel auch, die besten Posting-Zeiten zu ermitteln. Wenn Sie Facebook-Fans kaufen, kommt die überwiegende Zahl der Fans aus völlig anderen Zeitzonen, Sie können sich also nicht mehr auf die abzulesenden Werte verlassen. Auch in anderer Hinsicht haben Sie ein Problem: Sie wissen nicht sicher, welche Interaktionen auf der Seite von Ihren 500 echten Fans kommen und welche von den uninteressanten gekauften Likes. Sie können also nicht mehr erkennen, ob Sie eigentlich das Publikum erreichen, das Sie erreichen möchten. Sie können den Erfolg Ihrer Maßnahmen nicht mehr messen. Ihre Statistik – und damit auch im Wesentlichen Ihre gesamte Seite – wird vollkommen unbrauchbar.

Aus meinem persönlichen Umfeld habe ich ein tolles Beispiel – oder besser gesagt ein nicht so tolles Beispiel. 2012 übernahm ich die bei rund 30 Fans stagnierende Facebook-Seite eines hervorragenden Restaurants in Hannover. Ich schaffte es mit nur ein bis zwei wöchentlichen Posts und einem minimalen Anzeigenbudget rund 500 echte Fans für die Seite zu generieren, von denen gut zehn Prozent regelmäßig interagierten. Nicht schlecht für ein lokales Restaurant der gehobenen Klasse! Aus verschiedenen Gründen trennten wir uns dann geschäftlich, pflegen aber bis heute ein freundschaftliches Verhältnis miteinander. Ende April 2014 legte ich also den Facebook-Auftritt in die Hände meines Nachfolgers. Und ganz plötzlich, beginnend Ende Mai, kletterte die Zahl der Fans bis Ende Juli auf über 4.000 und dann sprunghaft sogar auf über 9.700.

Fans kaufen bringt kurzfristig rasante Steigerungen
Rasante Steigerung der Fan-Zahlen einer Facebook-Seite

Toll? Klar, sieht super aus auf der Seite. Doch gleichzeitig sank die Interaktionsrate, also das Verhältnis von Likes, Kommentaren, Clicks und Shares zur Anzahl der Facebook-Fans, gegen Null, und das, obwohl mein Nachfolger durchaus schöne Bilder und sogar (damals noch was ganz Neues) Videos auf die Seite postete. Wie konnte das bloß sein?


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Mit dem »Facebook Like Check« von SternTV kann man sehr schön herausfinden, woher all diese Fans kommen: (Update 8. Mai 2018: Das Tool funktioniert leider nicht mehr; Facebook hat den API-Zugriff zur Ermittlung der Herkunft von Fans geschlossen. Daher ist diese Grafik nicht mehr aktuell und zeigt den Stand der entsprechenden Seite von August 2014.)

Grafik woher die Facebook-Fans einer Seite stammen

Die meisten Fans der Seite stammten plötzlich aus der Türkei und Pakistan – aus Deutschland nur noch ein einstelliger Prozentteil – und von denen die wenigsten aus Hannover, dem Standort des Restaurants.

Was ist die Erkenntnis daraus? Die Facebook-Seite meines ehemaligen Kunden ist jetzt vollkommen wertlos. Im Prinzip kann er sie löschen und neu anfangen – und noch einmal Tausende Euros investieren, bis er wieder da ist, wo er war, als wir uns trennten. Genau zu diesem radikalen Schritt (Link aus dem Internet-Archiv) hat sich auch crowdmedia entschieden – eine Agentur für digitales Marketing aus Hamburg, die »Facebook-Fans kaufen« als Jugendsünde hinter sich hat.

Mein Fazit zum Thema Facebook Fans kaufen

Wenn Sie vor der Frage stehen, ob Sie Instagram-Abonnenten oder Facebook-Fans oder Twitter-Follower kaufen sollten: Tun Sie es nicht, egal wie verlockend die billigen Angebote auch sein mögen. Gleiches gilt für gekaufte Interaktionen. Likes oder Fans kaufen schadet Ihrer Seite, Ihrem Unternehmen und Ihrem Geldbeutel. Der Kauf von Facebook-Fans ist schlicht und ergreifend keine Option. Bauen Sie stattdessen Ihre Fan-Basis mit der mühsameren, aber sinnvolleren Variante auf: mit Facebook-Anzeigen. Mal abgesehen davon: Fans alleine sagen überhaupt nichts über den Wert oder den Erfolg einer Facebook-Seite aus – dazu benötigt man nämlich noch ganz andere Zahlen.

Wie Sie Ihre Seite wirklich erfolgreich machen und welche Schlüsselzahlen Sie dazu beobachten sollten, zeige ich Ihnen gern in meinen Social-Media-Workshops oder in einem telefonischen Beratungsgespräch.

Dieser Beitrag erschien erstmals im August 2014 und wurde seither 3x aktualisiert.

Foto: © underdogstudios – Fotolia.com

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