Wenn Sie als mittelständisches Unternehmen eine geschäftliche Website unterhalten, verfolgen Sie normalerweise ein Interesse damit: Potenzielle Kunden sollen Ihre Seite finden, damit sie Ihr Angebotsspektrum wahrnehmen können und schlussendlich konvertieren, also zu Ihrem Geschäftserfolg beitragen. (Ja, okay, sagen wir es rundheraus: Die sollen Ihnen was abkaufen.)

Doch viele Mittelständler haben ein Problem, und vielleicht gehören Sie dazu: Ein potenzieller Kunde findet zwar die Website, schaut sich die kurz an, verschwindet dann aber unmittelbar wieder. Er prallt förmlich wie ein aufgeblasener Gummiball von der Website ab. »Abprallen« heißt im Englischen »to bounce off«, daher wird der Anteil der Website-Besucher, die nach nur einem einzigen Seitenaufruf die Website verlassen oder maximal zehn Sekunden bleiben, auch Bounce Rate genannt. Der deutsche Begriff dafür lautet Absprungrate.

Und diese Absprungrate sollte so gering wie nur irgend möglich gehalten sein. Denn je länger sich jemand auf Ihrer Seite aufhält, desto eher können Sie Vertrauen aufbauen und desto eher ist er geneigt, Ihre Dienstleistung oder Ihr Produkt zu kaufen.

Was genau ist die Absprungrate?

Die Absprungrate oder Bounce Rate ist eine Kennzahl aus dem Bereich der Web Analystics. Wie ich eben schon kurz erwähnt habe, werden diejenigen Besuche von Internet-Nutzern darunter erfasst, die nur eine einzige (Unter-) Seite unserer gesamten Website anschauen und direkt danach wieder die Domain verlassen, weil sie

  • auf einen externen Link klicken
  • manuell eine neue URL in der Browserleiste eintragen
  • den »Zurück«-Button drücken
  • das Browserfenster oder den Tab schließen
  • einen Time-out-Fehler erleben

Zu abstrakt? Okay. Ein Beispiel.

Sie suchen bei der Suchmaschine Ihres Vertrauens nach »Gero Pflüger Hannover« und landen zum Beispiel auf der Seite von BUSINESSimpulse, auf der ich Gast in einer der großartigen Podcast-Folgen sein durfte und zum Thema Content Marketing und Social Media interviewt worden bin. Sie hören sich den Podcast an und schließen dann das Browserfenster. Das ist ein Bounce bzw. ein Absprung, denn Sie haben keine weitere Seite von BUSINESSimpulse.net betrachtet. (Das sollten Sie aber unbedingt tun!)

Auch ein Kurzbesuch, der nur wenige Sekunden andauert, zählt in die Absprungrate. In diesen Fällen findet der Nutzer meistens schnell heraus, dass die besuchte Website

  • nicht die Richtige ist (z. B. falsche Sprache, falsches Thema etc.)
  • inhaltlich oder sprachlich nicht dem Gewünschten entspricht
  • unansehnlich ist
  • auf einem Mobiltelefon nicht vernünftig navigiert werden kann
  • die Seite zu langsam ist

Bei vielen Mittelständlern handelt es sich um eine Kombination aus mehreren dieser Punkte. Und dann ist der potenzielle Kunde eben ganz schnell wieder weg – und kommt nie wieder. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Website mal wieder modernisiert werden sollte (alle zwei, maximal drei Jahre ist das so weit), wenden Sie sich an Ihren Webdesigner. Ich vermittele Ihnen gerne eine Webagentur, einen Webdesigner bzw. einen -entwickler aus meinem umfangreichen Netzwerk. Sprechen Sie mich an.

Wie lässt sich die Bounce Rate ermitteln?

Stellen wir uns vor, Sie hätten auf Ihrer Website täglich 1.000 Besucher. Von denen besuchen 800 nur eine einzige Seite, bouncen also. Gerechnet wird nun 800 / 1.000 = 0,8 * 100 = 80 Prozent Absprungrate.

Erfasst werden die Daten üblicherweise durch Analyse-Tools wie Google Analytics oder Piwik. Sie können aber auch den Amazon-Dienst Alexa nutzen, um wenigstens eine grobe Richtung zu erhalten, sogar bei fremden Seiten. Allerdings: Das funktioniert nur dann, wenn Alexa die Seite schon erfasst hat, wie es zum Beispiel bei geropflueger.de der Fall ist:

Die Absprungrate bzw. Bounce Rate bei geropflueger.de, Stand Juni 2016

Die Absprungrate bzw. Bounce Rate bei geropflueger.de, Stand Juni 2016

Welche Absprungrate ist normal?

Grundsätzlich gilt: Je geringer der Prozentwert ist, desto besser. Dennoch kann niemand seriös pauschal sagen, ob eine bestimmte Bounce Rate gut oder schlecht ist – wie immer kommt es stark darauf an, um was für eine Seite es sich handelt. Laut Quicksprout können diese Werte als normal gelten:

  • Content-Seiten (Nachrichtenportale etc.): 40-60 %
  • Lead-Generierung: 30-50 %
  • Blogs: 70-98 %
  • Online-Handel: 20-40 %
  • Service-Seiten: 10-30 %
  • Landing Pages: 70-90 %

(Quelle)

Sie sehen: Es gibt riesige Unterschiede. Besonders extrem fällt der Unterschied zwischen Online-Shops und Blogs ins Auge. Wie das zustande kommt ist jedoch klar: Wer eine Online-Shopping-Seite aufsucht, ist häufig dazu geneigt, auch im restlichen Angebot des Shops herumzustöbern. Angebote wie »Kunden, die sich hierfür interessierten, kauften auch das« laden zu weiteren Klicks ein und senken so die Absprungrate.

Ein Blog hingegen wird in aller Regel wegen eines ganz bestimmten Artikels aufgesucht. Sagen wir, Sie interessieren sich für den Suchbegriff instagram profil gestalten und landen auf diesem Artikel oder Sie suchen nach wie blogge ich effektiv und landen bei diesem Beitrag, so ist es wahrscheinlich, dass Ihnen nach der Lektüre des Artikels bereits geholfen ist. Ein weiteres Interesse an dieser Seite haben Sie nicht, Sie verlassen also das Blog.

Corporate Blogs – wie etwa diese Seite, aber auch die meiner Kunden – funktionieren häufig wie eine Landing Page. Die wiederum performen in der oben gezeigten Quicksprout-Statistik deshalb besser als Blogs, weil viele »echte« Landing Pages zum Ziel haben, einen Newsletter-Eintrag zu erwirken. Nach erfolgreicher Anmeldung wird zur nächsten Seite (»Danke, dass Sie sich angemeldet haben«) weitergeleitet – der Besucher sieht die zweite Seite, und das senkt die Bounce Rate einer Landing Page.

Wir mit unseren 79 % Bounces (Juni 2016) liegen daher im zu erwartenden Bereich für ein Blog. Ein Vierteljahr, nachdem ich diese Seite gestartet hatte, lagen wir allerdings noch bei weit über 90 %.

Womit wir beim nächsten Thema sind.


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Wie kann ich die Bounce Rate meiner Website senken?

Oben habe ich aufgeführt, was alles auf einer Website stört: lange Ladezeiten, hässliches Design, schlechter Inhalt und so weiter. Optimieren Sie also die Website! Achten Sie auf folgende Dinge:

Content
Der wichtigste Aspekt von allem, was noch folgt, ist der Inhalt auf Ihrer Seite. Je bessere Texte, Bilder und Filme auf Ihrer Seite zu finden sind, desto mehr Besucher werden Sie haben, die mehr von Ihnen wissen wollen. Also:

  • Stellen Sie hochwertige Inhalte zur Verfügung.
  • Verlinken Sie intern auf andere Ihrer Artikel.

Design
Der Besucher Ihrer Website muss finden, was er sucht. Dazu zählt, dass Ihre Seite

  • übersichtlich gestaltet ist
  • ein zeitgemäßes Design hat
  • hochwertige Bilder zeigt
  • einen guten Farbkontrast bietet
  • einem inneren Ordnungsprinzip folgt
  • benutzerfreundlich ist
  • eine funktionsfähige Navigation bietet
  • eine prominente Suchfunktion aufweist

Lesbarkeit
Der Sprache auf Ihrer Website kommt eine große Bedeutung zu. Achten Sie auf folgende Tipps:

  • Sprechen Sie die Sprache Ihrer (potenziellen) Kunden
  • Vermeiden Sie Fachchinesisch!
  • Erklären Sie Abkürzungen und nötige Fachbegriffe in einfacher Sprache
  • Nutzen Sie aussagekräftige und kurze Überschriften
  • Achten Sie darauf, Ihre Texte mit Absätzen zu gliedern – fünf, sechs Zeilen pro Absatz sind ein gutes Maß
  • Benutzen Sie Zwischenüberschriften
  • Nutzen Sie Aufzählungen – die lockern lange Texte auf und sind gut zu erfassen

Technik
Nicht nur Design und Inhalt zählen, auch die technische Seite Ihrer Website spielt eine Rolle.

  • Ihre Seite muss responsiv, also für mobile Endgeräte wie Smartphones optimiert sein
  • Ihre Seite muss schnell sein – hohe Ladezeiten sollten Sie unbedingt vermeiden

Speziell wenn Sie einen Online-Shop haben, gibt es weitere Möglichkeiten, die Absprungrate zu reduzieren:

  • Zeigen Sie Angaben über die Verfügbarkeit von Artikeln
  • Lassen Sie Kundenbewertungen zu
  • Zeigen Sie mehrere hochauflösende Produktbilder
  • Zeigen Sie Produktvideos
  • Zeigen Sie interaktive Demonstrationen (z.B. wie sieht das Kleidungsstück auf dem Laufsteg aus?)
  • Beschreiben Sie das Produkt sehr ausführlich
  • Blenden Sie »ähnliche Produkte« ein

Wie sieht Ihre Absprungrate aus?

Jetzt haben wir viel über die Absprungrate oder Bounce Rate gesprochen – aber ganz konkret: Wie sieht es mit Ihrer Website aus? Wie hoch ist Ihre Bounce Rate? Was planen Sie, um die Absprungrate zu verbessern? Schreiben Sie es unten in die Kommentare! Wir freuen uns drauf!

Gero Pflüger ist Social-Media-Berater aus Hannover. Er berät Unternehmen aus ganz Deutschland, gibt bundesweit Workshops und hält Vorträge und Seminare zu sozialen Medien und Content Marketing. Außerdem unterstützt er seine Kunden auch bei operativen Tätigkeiten im Social Web.

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